Die Geschichte des Makramees – Woher kommt die Kunst des Knotens eigentlich?
- 15. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 20. Feb.
Makramee wirkt wie ein moderner DIY-Trend.Naturtöne, Boho-Vibes, Wandbehänge auf Instagram. Aber die Wahrheit? Makramee ist alles andere als neu.Die Kunst des Knotens ist mehrere hundert Jahre alt – und ihre Geschichte ist überraschend international.
Woher stammt Makramee ursprünglich?
Der Begriff „Makramee“ stammt vermutlich vom arabischen Wort „migramah“, was so viel bedeutet wie „gewebter Saum“ oder „verzierter Rand“.
Bereits im 13. Jahrhundert nutzten arabische Weber kunstvolle Knoten, um die Enden von Textilien zu verzieren. Diese dekorativen Fransen waren nicht nur schön, sondern verhinderten auch das Ausfransen der Stoffe. Von Nordafrika aus verbreitete sich die Technik über Handelswege nach Europa.
Makramee im Mittelalter – Von Spanien nach ganz Europa
Im 15. Jahrhundert brachten maurische Handwerker die Knüpftechnik nach Spanien. Von dort aus fand sie ihren Weg nach Frankreich, Italien und schließlich nach England. Besonders im viktorianischen Zeitalter erlebte Makramee einen ersten großen Hype. In wohlhabenden Haushalten wurden:
Tischdecken
Vorhänge
Lampenschirme
Kleidungsdetails
aufwendig mit Knotenmustern verziert. Makramee war damals ein Zeichen von Handwerkskunst – und Geduld.
Seefahrer und ihre Knoten
Ein weiterer spannender Teil der Geschichte: die Seefahrt.
Matrosen entwickelten und perfektionierten Knoten nicht nur aus praktischen Gründen, sondern auch als Zeitvertreib auf langen Reisen. Sie fertigten Gürtel, Hängematten, Taschen und dekorative Gegenstände aus Schiffstauen an.
Viele der Knoten, die wir heute im Makramee verwenden – wie der Kreuzknoten oder Rippenknoten – haben ihren Ursprung in maritimen Techniken.
Der große Makramee-Boom der 1970er
In den 1970er Jahren kam die Hippie-Ära und Makramee wurde weltweit zum Interior-Trend. Blumenampeln, Wandbehänge und Eulen-Designs zierten Wohnzimmer rund um den Globus.
Makramee stand für:
Natürlichkeit
Handarbeit
Individualität
Abgrenzung von industrieller Massenware
Und dann? Verschwand es wieder.
Wie so viele Trends.
Warum Makramee heute wieder so beliebt ist
Seit einigen Jahren erlebt Makramee ein starkes Comeback – allerdings moderner, minimalistischer und oft in gedeckten Farben.
Warum?
Weil wir uns nach etwas sehnen, das:
analog ist
greifbar ist
entschleunigt
nicht perfekt sein muss
Makramee ist mehr als Dekoration. Es ist ein Gegenpol zum digitalen Dauerrauschen. Und vielleicht knüpfen wir heute aus genau demselben Grund wie früher die Seefahrer: Weil Wiederholung beruhigt.
Makramee heute – Zwischen Tradition und DIY-Kultur
Heute findest du Makramee:
als DIY-Projekt für Anfänger
als Design-Statement im Interior
als Kunstinstallation
als Schmuck
als nachhaltige Geschenkidee
Was geblieben ist: Du brauchst kein großes Werkzeug. Keine Maschine. Nur Garn. Und deine Hände. Genau das macht diese Technik so zeitlos.
Fazit: Eine Kunst mit Geschichte – und Zukunft
Makramee ist keine Modeerscheinung. Es ist eine jahrhundertealte Handwerkskunst, die immer wieder neu interpretiert wird. Vom arabischen Websaum über viktorianische Salons bis in dein Wohnzimmer. Und jedes Mal geht es um dasselbe: Etwas mit den eigenen Händen erschaffen.

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